Legoyourego Blog

Schluss mit Killerkrankenhausserien – war Greys Anatomy schuld?

Posted in Aufreger des Tages, Politik by legoyourego on 20. September 2010

Hatte die Amokläuferin von Lörrach vorletzte Woche das Staffelfinale von Greys Anatomy gesehen, als sie sich dazu entschied, das Standardprozedere eines bundesdeutschen Durchschnittsamoklaufes zu erweitern und ihrem Leben durch „suicide by cop“ in einem Krankenhaus ein Ende zu setzen?
Da kann der Stern mich gerne in die Schublade der pietätlosen Internetpublizisten schieben. Wenn sich ahnungslose Politiker wie Wolfgang Bosbach nicht entblöden Paintball- und Killerspieler als potenzielle Amokläufer zu verdächtigen, dann müssen sie auch (leider auf Kosten der Opfer) mit der Häme der Twitterer zurechtkommen, wenn die satirisch das Verbot von Rechtsanwältinnen und Krankenhausserien fordern.

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Moralisches Dilemma

Posted in Leben, Politik by legoyourego on 12. September 2010

Immer mal wieder wird mein moralisches Selbstverständnis in Sachen Toleranz und der Freiheit des Menschen, selbst zu entscheiden, was er zu tun und was er zu lassen hat, auf eine harte Probe gestellt. Freie Meinungsäußerung um jeden Preis? Wie gefährlich ist das?

Im Namen Gottes by DerBulo

Im Namen Gottes by DerBulo

Derzeit sind es zwei Themen, die sich in meinem Kopf ein Duell für eine klare Meinung liefern. Zum einen steht da Pastor Terry Jones, der erst nachdem Präsident Obama sich persönlich an ihn gewandt hat, von dem Plan abgerückt ist, öffentlich einen Koran zu verbrennen. Zum anderen ist da Thilo Sarrazin.
Grundsätzlich bin ich gegen das Verbrennen von Büchern. Grundsätzlich bin ich gegen Bücher, die Religion verbreiten. Grundsätzlich bin für das Recht eines jeden Einzelnen seine Überzeugung in Worten und Taten zu verfechten. Grundsätzlich bin ich für das Recht eines jeden Einzelnen auf Unversehrtheit von Körper und Geist. Also darf man nun einem Religiösen Spinner verbieten ein Bündel zusammengeklebtes Papier zu verbrennen, damit andere religiöse Spinner nicht auf die Idee kommen – möglicherweise völlig unbeteiligte Dritte – zu verletzen oder zu töten, weil sie mit dem erstgenannten religiösen Spinner durch Glaubenszugehörigkeit oder Nationalität in Verbindung gebracht werden? Darf man der Presse nahe legen, bitte nicht über den Spinner zu berichten, damit die anderen Spinner davon nichts mitbekommen? Darf man sich als Staat aus Angst vor gewalttätigen Auswirkungen im Sinne des höheren Zieles, nämlich der Unversehrtheit der eigenen Landsleute in vorwiegend islamischen Gebieten, einschüchtern und zur Beschneidung der freiheitlichen Rechte eines einzelnen hinreißen lassen? Darf ich mir wünschen, dass alle diese Spinner, die die Welt und das Leben so furchtbar kompliziert machen, einfach so explodieren und verschwinden?

(ältere Sendung, die noch nicht ausgestrahlt wurde mehr Infos HIER.

Was Thilo Sarrazin angeht, wünsche ich mir nicht unbedingt, dass er einfach so explodiert. Thilo Sarrazin ist ein Provokateur, der seine Prominenz und Medienpräsenz opportunistisch ausnutzt, um Werbung für sein Buch zu machen. Einige viele Inhalte spiegeln leider die Realität wieder. Dadurch, durch breite Zustimmung in der Öffentlichkeit und bewusst eingesetzte, faschistoide Provokationen hat dieser Mann, der sich um sein finanzielles Auskommen bis zu seinem Tod keine Sorgen machen muss, eine unumgängliche Diskussion angestoßen. Ihm kann es egal sein, ob er dadurch früher in Rente gehen muss, seine Freunde werden ihn weiterhin gern haben. Er hat nichts zu verlieren.
Ich glaube auch nicht, dass diese Diskussion gefährlicher ist als die Situation, um die es darin geht. Endloses Rumgepisse um dieses Thema, von Schreibtisch-Hengsten entwickelte Integrationsmaßnahmen und jammernde Pseudomoralisten werden keine Lösung erwirken. Die Mittelschicht bricht weg, die Gesellschaft wird sich in Starke und Schwache aufteilen. Und wenn das so weit ist, werden die Schwachen die Verlierer sein. Ein Fokus auf die Missstände in unserer Gesellschaft kann den Prozess nur verlangsamen. Doof nur, dass es scheinbar notwendig ist, solche Nazischeiße (von wegen Juden-Gen) von sich zu geben, damit die Menschen sich Gedanken machen.

„Was ist dran an Sarrazins Thesen?“ fragt die FAZ die Entwicklungspsychologen und Begabungsforscher Heiner Rindermann und Detlef Rost, die wichtigsten Quellen für Thilo Sarrazins Buch. Und so wissenschaftlich formuliert, klingt es für diejenigen, die diese Sprache zu lesen wissen, gar nicht mal so abwegig. Intelligenz ist zu großen Teilen erblich bedingt, nicht zwangsläufig, aber sehr wahrscheinlich. Wenn man in sozialen und familiären Strukturen aufwächst, in denen viel mit den Kindern gesprochen wird, erhöhter Wert auf Bildung gelegt wird und in denen Wissenschaft vor der Religion steht, hat man nun mal die besseren Voraussetzungen im Laufe seines Lebens einen höheren IQ zu erlangen, als in einem System, in dem der auswendig gelernte Glaube vor der freiheitlichen Entfaltung des Geistes steht, sprachliche Defizite vorherrschen oder gar die Eltern über drei Ecken miteinander verwandt sind.
Wie soll ich das ganze nun für mich moralisch bewerten, wenn bei „Hart aber Fair“ ein Michel Friedmann den Schulterschluss mit Asli Sevindim sucht, die sich „zurecht beleidigt fühlt“? Versöhnung von Juden und Moslems gegen den bösen Nazi? Oder vielmehr drei Mediengeile die mal wieder die Gelegenheit genutzt haben, ihre Fressen in eine Kamera zu halten? Jeder muss wissen, wann er sich von solchen Äußerungen angesprochen fühlt. Wenn jemand sich öffentlich hinstellt, mit der These, dass Blondinen in der Regel dümmer sind als Brünette und das immerhin einen erheblichen Teil der Bevölkerung einschließt, dann fühle ich mich als Blondine weder in meiner Ehre verletzt, noch fordere ich wissenschaftliche Belege für diese Behauptung. Ich fühle mich einfach nicht angesprochen.

Ich möchte Euch dennoch ein wenig Filmmaterial zum Thema ans Herz legen:

Satirische Auseinandersetzung in der heute-show.

Kampf im Klassenzimmer: Deutsche Schüler in der Minderheit (Ich würde das jetzt auch gerne als total übertrieben dargestellt abtun. Dass solche Jugendlichen eine Ausnahme darstellen. Aber leider gehöre ich zu den Leuten, die das direkte Gespräch mit allen Menschen suchen und das Gezeigte oft genug als traurige Wahrheit erlebt haben.)

und zuletzt noch meinen „Lieblingstürken“ Serdar Somuncu in der aktuellen Folge Hatenight (Auch Satire, wer keine Ironie versteht, sollte den jedoch besser auslassen).

Was läuft falsch im Hause von der Leyen?

Posted in Allgemein, Leben, Politik by legoyourego on 25. November 2009

Heute habe ich mal wieder prokrastiniert, was bei sich bei mir in sinnlosem Durchstöbern von Wikipedia auswirken kann. Und weil ich heute bei der Arbeit (ja gearbeitet hab ich auch) durch die Von-der-Leyen-Straße in Köln gefahren bin, habe ich versucht herauszufinden, was unter diesem Familiennamen geleistet wurde, das die Ehre eines eigenen Straßennamen rechtfertigen könnte. Wie erwartet habe ich nichts Erhellendes gefunden. Dennoch hat mich ein Satz im Wikipediaeintrag zu Zensursulas Vater Ernst Albrecht stutzig gemacht.

Im November 1986 geriet sein Sohn Barthold (* 1967) in die Schlagzeilen, da Die Toten Hosen in Albrechts Haus in Burgdorf-Beinhorn (bei Hannover) für diesen ein Konzert gaben.

Dass der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen Ernst Albrecht sich in Sachen Machtmissgebrauch des öfteren zweifelhaft hervorgetan hatte war mir ja bekannt. Man erinnere sich an den Skandal vom Celler Loch oder die Entscheidung für Gorleben im innerdeutschen kalten Krieg nach dem Motto „Du kackst mir vor die Tür, ich kack Dir vor die Tür“. Von seiner Verbindung zu Kurt Vajen mag ich gar nicht reden, das wäre ja Sippenhaft.

Trotzdem, was ist da falsch gelaufen, dass ein konservativer Familienvater, der es offenbar geschafft hat eine urdeutsche Mutter wie die Uschi zu zeugen und nach seinem Vorbild zu formen, über seinen Sohn Barthold derartig die Kontrolle verlieren konnte, dass er mit Punks kollaboriert?

Bei meiner Recherche bin ich auf diesen netten Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1985 über den zeitweise verirrten Sohnemann gestoßen. Und natürlich auf die schöne Fotoserie der besagten Party auf dem Anwesen der Albrechts. Und offensichtlich war es nicht nur eine Party mit Punks, der Sprössling war ein echter Punk.

In seinem Platten-Debüt trägt Barthold Albrecht mit der zaghaften Stimme eines noch nicht sehr selbstbewußten Anfängers seine Meinung vor, der Mensch von heute, speziell in der Bundesrepublik, sei von einem lähmenden Sicherheitsstreben beherrscht, und dies sei „total groß“.

„Schon viel zu lang alles mitgemacht, schon viel zu lang nicht mehr nachgedacht“ – so startet der Albrecht-Song „Die Zeit ist reif“.

Nicht dass ich mit Punks sympathisiere, das ginge wirklich zu weit, aber das ganze birgt doch eine erstaunliche Aktualität. Und das führt mich zwangsläufig zur nächsten Frage. Was ist da falsch gelaufen, dass ein augenscheinlich in dieser Hinsicht so ambitionierter junger Mann letztendlich der Manipulation dem Druck der Familie und den traditionellen Werten nachgegeben hat, dass er sich dann doch für eine Karriere in der freien Wirtschaft entschieden hat?

Vermutlich hat ihm jemand lange genug ein Stoppschild vor die Nase gehalten. Das soll Wunder wirken…

Kurze Eindrücke vom CSD 2009 in Köln

Posted in Party, Politik by legoyourego on 6. Juli 2009

Ich habe bewusst am heutigen Tag keine Kamera mitgenommen, um keinen unnötigen Ballast mit zu schleppen. Im nachhinein hab ich mich geärgert. Mit meinem Handy habe ich nur ein Foto geschossen und ein Video. Nächstes Jahr werde ich das anders machen. Dieses Jahr hat man allerdings den 40. Jahrestag der Ursprünge des CSD, dem Stonewall-Aufstand im Juni 1969 in New York begangen. Insofern war die Veranstaltung mehr politisch und weniger provokant als in den Vorjahren.

Tja eigentlich eine Schande, dass ich seit meiner Geburt direkt neben dieser wunderbaren Stadt wohne und noch kein einziges Mal auf dem Christopher Street Day war, auch genannt Cologne Pride. Bis Heute. Und es war ein großartiges Erlebnis. Die Provokationen seitens der Parade-Teilnehmer waren für meine Empfinden zwar mehr als harmlos, die wenigen nackten Ärsche, die zu sehen waren, leider mehr als unschön. Aber die Stimmung war der Hammer. Und ich wurde durch nackte Oberkörper entlohnt. :rotwerd: Nicht so schön fand ich, dass sowohl SPD, als auch Linke und Grüne Die Parade als Wahlkampfmittel genutzt haben und eigene Wagen ins Feld geschickt haben. Zwei wunderschöne Bilder von Renate Künast hat der Fotograf der queer eingefangen (ich vermute es war nicht ihre Doppelgängerin). Bild 1 und Bild 2.

Ich schmück mich jetzt weiter nicht mit fremden Bildergalerien, davon gibt es sicher ne Menge im Netz.

Hier zwei Anekdoten:

Ich war mit einer Freundin da. Wir bekommen auf dem Alter Markt einen Flyer in die Hand gedrückt. Die Promoterin sagt „Hier, unter http://www.bed-jumping.com könnt ihr ein Foto von euch einschicken, wie ihr ganz verrückt auf dem Bett rumhüpft. Der über Internet-Abstimmung bestimmte Gewinner bekommt 10.000 Euro“. Meine Freundin gibt mir den Flyer (sie ist im 5. Monat schwanger) und sagt „Hier du hüpst ja öfter verrückt auf Betten rum, als ich.“ Ich sag: „Na prima und wie soll ich mich selbst fotografieren, während ich hüpfe?“ Die Promoterin zu meiner Freundin „Na du kannst sie ja dabei fotografieren!“ Meine Freundin „Ja genau Schatz ich fotografier dich dabei,“ grinst mich an und zieht mich weiter.

Anschließend bei McDonalds an der Kasse. Neben mir eine Gruppe Amerikaner.
Amerikaner: „Do you have Quaterpounder with Chese?“
McDonalds-Tante: „Hä? Hammwer nich.“
Ich: „Doch, habt ihr.“
und zu dem Amerikaner: „Did you ever watch Pulp Fiction, Herzchen?“
Er (grinst mich an und schreit): Aaaaaah, yes I have.
und zu der Kassiererin „A Rrrrroyaaaaal with chese please“

Hier noch das Bild und das Filmchen:

Zensurgegner in der Parade

Hier als Video: (achtung, grausamer Ton, besser stumm schalten)

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Paintball soll verboten werden

Posted in Politik by legoyourego on 8. Mai 2009

Da hat sich ja mal wieder jemand was feines für den Wahlkampf ausgedacht. Man muss ja irgendwie reagieren auf die ganzen Amokläufe, die derzeit in Mode gekommen sind. Aber da man mit schärferen Gesetzen gegen scharfe Waffen nicht nur die nicht zu unterschätzende Waffenlobby verärgern würde sondern auch Parteifreunde in allen Reihen, die in Schützenvereinen ihrer Freizeit frönen, beschränkt man sich lieber übereifrig auf eine winzige Randgruppe. Die Paintballspieler.
Die Idee mag ja auf den ersten Blick vernünftig klingen. (Von wegen Waffen nicht zum Hobby machen im Hinblick auf Amokläufer.) Aber (und ich spreche da aus eigener Erfahrung) bevor man diese Randgruppe kriminalisiert, hätte man sämtliche Schützenvereine in Deutschland dichtmachen müssen. Denn abgesehen davon, dass ein Teil der Paintball-Spieler bislang tatsächlich illegale Anscheinkriege in abgelegenen Waldgebieten veranstaltet hat und das auch schon immer verboten war, sind diese nicht nur zu großen Teilen Wehrdienstverweigerer und Pazifisten im Herzen, sondern sie sind auch Teamspieler. Während man im Schützenverein stumpf nebeneinander steht und auf Zielscheiben ballert und möglicherweise ein erregendes Gefühl verspürt, wenns ordendlich knallt, kämpft man beim Gotcha in Mannschaften, meist in wechselnden Teamzusammenstellungen. Der Kick dabei ist das Adrenalin, dass ausstömt, wenn man aus lauter Angst vor den durchaus schmerzhaften Treffern in Deckung hechtet, seine Mannschaft so lange wie möglich am „Überleben“ hält und Teampartnern Schutz gibt, wenn die mal wieder ne Ladehemmung haben. Nach dem Spiel sitzt man zusammen, unter Freunden, in Gesellschaft. Und das ganze ohne agressives Ansinnen. Zumindest ist das die Regel. Übrigens ist das Geräusch, das eine Gotchapistole macht kein Schuss, eher ein *plöpp*. Natürlich kann man argumentieren, dass junge Erwachsene, die freiwillig Krieg simmulieren und in Tarnklamotten durch den Wald hetzen, albern und blöde sind, aber in organisierten Vereinen, auf abgesperrten Gebieten ist das Spiel nicht viel anders als Fußball. 2 Teams, viel Taktik, viel Laufbereitschaft. Was man sich bei dem Gesetz jetzt gedacht hat und was das in Bezug auf Amokläufer oder Jugendgewalt bringen soll, ist mir schleierhaft. Ich hab zumindest noch von keinem Amokläufer gehört, dass er seinen großen Abgang in Paintpall-Spielen trainiert hat.

Übrigens hat es mir gereicht da als Teenager 3 mal mitzuspielen. Für mich ist das nichts. Ich hab auch Völkerball immer gehasst. Das funktioniert übrigens auch nach dem selben Prinzip. 😉