Legoyourego Blog

Self-Pity in the City

Posted in Aufreger des Tages, Filme by legoyourego on 31. Mai 2010

Unfassbar, dass es einem Film gelingen kann, einen derartigen Ärger über ein Frauenbild bei mir auszulösen, das – mich ausgeschlossen – Millionen von Damen in Verzückung geraten lässt. Aber es ist ihm gelungen. Erinnert durch den Kinostart des 2. „Sex and the City“ Films, habe ich mich heute dazu hinreißen lassen, die Cellophanhülle der DVD von „SATC“ – der Tragödie erster Teil aufzureißen, die ich schon vor Monaten als Bonus für gesammelte Tankquittungen bei Aral bekommen hatte.
Während ich die Serie stellenweise ganz amüsant fand, kam mir beim Ansehen des Films schlagartig wieder ins Bewusstsein, warum ich irgendwann nicht mehr bereit gewesen war, an die vier Grazien aus NYC noch einen Gedanken zu verschwenden. Nämlich nach der Folge, in der Carrie Bradshaw einen ihr versehentlich entwichenen Mini-Furz zu einem Orkan niemals enden sollender Schmach aufblies. Und nichts weiter als ein aufgeblasener Furz ist eben jener erste Sex and the City Film.
Ich erspare mir detaillierte Inhaltsangaben sowie die Bewertung schauspielerischen Könnens und widme mich hier lieber ausgiebig meiner Sicht auf die darin enthaltenen Charaktere.
Während die alternde Nymphomanin Samantha und auch Charlotte, das Abziehbild einer verspießten Vorzeige-Mommy, in ihren Rollen noch annähernd authentisch daherstöckelten, sorgten sowohl Carrie als auch Miranda dafür, dass ich ein ums andere Mal mein Abendessen wieder hochwürgen wollte. Doch fasziniert wie von einem über die Maßen ekelhaften Horrorfilm, konnte ich auch hier nicht einfach ausschalten.

Beginnen möchte ich, ebenso wie der Film, mit der offensichtlich schamlos überbezahlten Beziehungskolumnistin Carrie Bradshaw. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin keineswegs eine von den Frauen, die Mode für die größte Nebensächlichkeit der Welt halten. Im Gegenteil, wenn etwas wirklich schön ist, insbesondere Schuhe und Stiefel, dann drücke auch ich angesichts des Preisetikettes gerne mal zwei Augen zu. Aber wenn man so offensichtlich den Jackpott geknackt hat wie das Fräulein Bradshaw, dann ist es mir unerklärlich, wie man eine Sache so übel verkacken und das Script sich trotzdem des Mitleides unzähliger Kinobesucherinnen in aller Welt gewiss sein kann. Ungeachtet dessen, was ihr Mr. Big in der Serien-Vergangenheit verbrochen haben mag, hatte er sich doch zu Anfang des Filmes zu einer in jeder Hinsicht guten Partie gemausert. Stinkreich, schnieke und voll unerschütterlicher Liebe zu ihr, baut er Carrie nicht nur einen Schuhschrank in der Größe meiner 2-Zimmer-Wohnung, sondern lässt sich auch ihrem Sicherheitsbedürfnis zuliebe dazu hinreißen der verwöhnten NewYorkerin ein Eheversprechen zu geben. Dass der Mann nach zwei gescheiterten Ehen und angesichts einer Vogue-Titelblatt-Hochzeit mit Vivienne Westwood Sissy-Kleid und 200 Gästen in der mit Deckenfresken bemalten Stadtbibliothek für 2 Minuten kalte Füße bekommt, veranlasst die schrille Stilikone das Weite zu suchen. Gut, sein Timing war denkbar schlecht, aber dass er danach allen ernstes fast 10 Monate ohne jeden Kontakt darauf wartet, dass seine Angebetete aus dem Jammertal voll Vorwürfen und Selbstmitleid zurückkehrt, ist schon fast widerlich.
In diesen 10 Monaten vertreibt sich Carrie die Zeit mit ihren Freundinnen und der Gesellschaft einer (quoten-)schwarzen „Sklavin“, die sich als „Personal Assistant“ getarnt, um die Befindlichkeiten ihrer Herrin kümmert und dafür mit einer schönen bunten Louis Vuitton Tasche belohnt wird. Der zweisekündige Auftritt von drei potthässlichen Pelztiergegnerinnen, während eines Besuches der Fashion Week, unterstreicht das Anti-Image der vier White-Upperclass-Ladys zusätzlich auf entlarvende Weise.
In der Nebenhandlung beweist auch die rothaarige Miranda ihre Zickenattitüden, als sie ihren eigentlich perfekten Ehemann einen (für meine Begriffe) verzeihlichen Fehltritt ebenfalls monatelang abbüßen lässt. Natürlich sind am Ende alle glücklich. Aber obwohl ich eine Hollywood-Happy-End verwöhnte Filmkonsumentin bin, bleibt bei diesem Film mehr als ein fader Beigeschmack. Und dabei sollte man mir keinesfalls Neid auf vorgezeigten Lifestyle unterstellen. Vielleicht ist es das Mitleid. Für die Männer, die bei diesem Streifen auf ganzer Linie die Arschkarte gezogen haben.

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2 Antworten

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  1. Muriel said, on 31. Mai 2010 at 13:39

    Ich frage mich manchmal, wie liberal und aufgeklärt ich mich eigentlich noch nennen darf, wenn ich die Verachtung bedenke, die ich für Fans dieses Films einfach aufgrund ihres Unterhaltungsgeschmacks empfinde.
    Darüber sollte ich noch mal meditieren.

    • legoyourego said, on 31. Mai 2010 at 13:39

      Das schlimmste ist, wenn es auch noch Deine Freundinnen sind, vor denen Du sonst höchste Achtung hast. Genau dieser Gedanke, hat mich heute veranlasst diesen Text zu schreiben.


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